Nachtmahl

03/24/16

Spargel: völlig überschätzt?

Die Spargelsaison ist kaum zu übersehen. Spargelstände sprießen wie Pilze aus dem Boden, in Zeitschriften und im Internet häufen sich die Zubereitungs- und Gesundheitstipps. Spargel wird nicht nur aufgrund seines Geschmacks gerne gegessen, er steht auch im Ruf, ein gesundheitlicher Alleskönner zu sein. Doch was kann er wirklich? Was ist die wahre Bilanz des Spargels?

Vitaminreich und entwässernd

Spargel ist das ideale Gemüse bei Übergewicht, da er kaum Kalorien enthält – nur etwa 170 pro Kilogramm. Zu 93 Prozent besteht er aus Wasser, zu zwei Prozent aus Eiweiß, zu vier Prozent aus Kohlenhydraten und nur 0,2 Prozent sind Fette. Dafür enthält er viele Vitamine und Mineralstoffe. Ein Pfund Spargel deckt den Tagesbedarf an Vitamin C und dem Mangelvitamin Folsäure, das in Stoffwechselvorgängen wichtig und besonders gut für Schwangere ist. Von den Vitaminen B1 und B2 hat man mit dieser Portion den halben Tagesbedarf erreicht. Außerdem enthält Spargel unter anderem die Vitamine A, E und K. Grüner Spargel beinhaltet übrigens mehr Vitamin C und β-Carotin als weißer.

Auch viele Mineralstoffe hat das Gemüse zu bieten, so Kalium (blutdrucksenkend und für die Nerven), Kalzium (für Knochen und Zähne) und Phosphor (Energiehaushalt). Seine Ballaststoffe sorgen für eine gute Verdauung und ein größeres Sättigungsgefühl.

Kein Alleskönner und nicht für Alle gesund

Darüber hinaus werden dem Spargel aber noch mehr Eigenschaften zugeschrieben. Aphrodisierend soll er wirken, selbst bei Alzheimer oder Krebs helfen. Brauchbare Untersuchungen hierfür fehlen völlig. Spargel ist – wie viele andere Gemüsesorten – reich an Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen – jedoch ist er kein Wundermittel. Was der Spargel besitzt ist aber eine harntreibende Wirkung. Dies liegt am recht hohen Kalium- und Stickstoffgehalt und an der Asparaginsäure, die die Nierentätigkeit anregen. Doch nicht für jeden ist das vorteilhaft. Vorsichtig sollten Menschen sein, die erhöhte Harnsäurewerte haben. Asparagin steigert den Harnsäurespiegel und reizt die Nieren. Er enthält außerdem Purin, das in Harnsäure verwandelt wird. Sind die Nieren nicht voll funktionstüchtig, kann dies unter Umständen zu Gicht führen, da die große Menge an Harnsäure nicht komplett über die Nieren ausscheiden werden kann. Auch Personen, die zu Nierensteinen neigen, sollten Spargel besser meiden.

Viel Aufwand für wenig Ertrag

Spargel hat wenig Kalorien, was zum Abnehmen von Vorteil ist. Jedoch hat er damit eben einen geringen Nährwert. „Ein Teller Spargel ist so nahrhaft wie ein kleiner Korken“, so der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer vom Europäischen institut für Lebensmittel- und Ernährungsiwssenschaften. Dem steht ein großer Bedarf an Energie und Anbauflächen gegenüber. Spargel ist laut Statistischem Bundesamt das Gemüse mit der größten Anbaufläche in Deutschland (22% der Flächen). Bei der Erntemenge liegt er jedoch lediglich bei einem Anteil von unter 3%. Er benötigt also sehr große Anbauflächen bei vergleichsweise geringem Ertrag. Andere Gemüsesorten sind weitaus ertragreicher und liefern deutlich mehr Nährwert. Auch der Energieeinsatz ist hoch. Manche Spargelbeete haben eine Fußbodenheizung im Acker. So treibt der Spargel auch bei kühleren Temperaturen schneller. Ein besonders hoher Ressourcenverbrauch entsteht, wenn er eingeflogen wird. Über 90 Prozent des importierten Spargels stammen aus Peru. Auch daher ist in Deutschland angebauter Spargel vorzuziehen.

Zubereitung: Lieber nicht in Alu

Spargel sollte bei der Zubereitung auf jeden Fall frisch sein. Ist er am unteren Ende sehr eingetrocknet, sollte er besser im Laden liegen bleiben. Ob er richtig frisch ist, ist dadurch zu erkennen, dass es quietscht, wenn zwei Stangen aneinander gerieben werden. Wer den Spargel nicht gleich nutzen will, kann ihn in ein feuchtes Geschirrtuch eingewickelt im Kühlschrank aufbewahren. Zum Kochen: Weißen Spargel großzügig schälen, bei grünem muss nur das trockene holzigen Ende abgeschnitten werden. Mit Salz, Zucker und Zitrone 8 bis 20 Minuten kochen. Aus den Schalen und den abgeschnittenen unteren Enden kann später eine Spargelcremesuppe hergestellt werden. Vitaminschonend ist es, Spargel kurz zu dämpfen oder zu dünsten. Dafür gibt es Dämpfeinsätze für Töpfe. Spargel kann auch gebraten werden – gut schmeckt z.B. gebratener grüner Spargel mit Balsamico, verfeinert mit Vanille. Abzuraten ist jedoch davon, das Gemüse in Alufolie zuzubereiten. Stark salz- oder säurehaltige Lebensmittel sollten laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung nicht mit Alufolie zubereitet werden. Wird Spargel zusammen mit Zitrone in Alufolie im Ofen oder auf dem Grill gegart, steigt der Aluminiumgehalt im Gemüse stark an - über die Dosis, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als tolerabel eingestuft wird.

Ein Luxusprodukt

Große Anbauflächen, viel Energie - Spargel ist in vieler Hinsicht ein Luxusprodukt. Dafür ist aber auch der Preis entsprechend hoch - und er kommt ja auch nicht jeden Tag auf den Teller. Spargel ist ein tolltes Gemüse, um wenig Kalorien zu sich zu nehmen und trotzdem satt zu werden. Wer ihn genießen möchte, hat so oder so wenig Zeit: Am 24. Juni, dem Johannistag, ist die Spargelsaison schon wieder vorbei.

 

Markus Weber

 

 

 

 

 

02/25/16

Böser Coffee to go

Coffee to go, für den schnellen Kaffeegenuss unterwegs, ist praktisch, doch sind Einweg-Becher auch eine Belastung für die Umwelt und tragen zur Vermüllung der Städte bei. Eine Alternative ist, einen Thermobecher zu nutzen, in den man den Kaffee abfüllen lässt. Manche Bäckerei-Ketten bieten eigene Thermobecher zum Kauf an, wie ab April die Bäckerei Pappert.

Über 160 Liter Kaffee trinkt jede*r Deutsche im Schnitt pro Jahr, täglich fast einen halben Liter - mehr als Mineralwasser oder Bier. 40 Prozent des Heißgetränks werden außer Haus getrunken. Immer beliebter wird dabei der schnelle Coffee to go: ob auf dem Weg zur Arbeit, in der Mittagspause oder beim Stadtbummel, ob vom Café, Bäcker oder Fast Food-Laden. Laut Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe werden in Deutschland stündlich 320.000 Einwegbecher verbraucht - rund drei Milliarden im Jahr. Die Verbraucherzentrale Hamburg schätzt sogar fast 6,5 Milliarden Einwegbecher. Diese Becher für unterwegs sind zwar sehr praktisch – sie sind leicht zu transportieren, halten den Inhalt warm und sind schnell zu entsorgen. Aber sie belasten die Umwelt deutlich mehr, als es auf den ersten Blick scheinen mag.

Einweg-Becher belasten die Umwelt

Die höchste Belastung für die Umwelt stellen Einweg-Becher aus Plastik dar, wie sie vor allem an Kaffeeautomaten vorkommen. Doch auch die üblichen Pappbecher stehen in der Kritik von Umwelt- und Naturschützer*innen. Ihre Produktion erfordert jährlich zehntausende Tonnen Holz und Kunststoff sowie Milliarden Liter an Wasser. Für die Herstellung von Einwegbechern aus Verbundverpackung wird fast kein recyceltes Papier benutzt, sondern in aller Regel neue Papierfasern. Zudem bestehen auch die Pappbecher meist zu einem gewissen Teil, etwa 5 Prozent, aus Kunststoff. Eine dünne Schicht auf der Innenseite verhindert nämlich ein zu schnelles Durchweichen des Bechers. Meist handelt es sich um Polyethylen. Der Deckel, der ein Überschwappen verhindert, besteht aus Polystyrol. Für die Herstellung der Beschichtungen und Plastik-Deckel werden laut Umwelthilfe jährlich circa 22.000 Tonnen Rohöl verbraucht. Auch das Stäbchen zum Umrühren besteht oft aus Plastik. Dazu können noch Tragehilfen aus gewellter Pappe kommen, die dafür sorgen, dass sich der Becher beim Mitnehmen nicht zu heiß anfühlt. Sie erfordern aber wiederum Rohstoffe. Für die Herstellung der Coffee to go-Becher und -Deckel entstehen alles in allem in Deutschland CO2-Emissionen von rund 105.000 Tonnen pro Jahr. Einwegbecher mit Anteilen von recyceltem Papier oder mit Biokunststoff-Anteilen haben eine etwas bessere Bilanz: Sie verursachen einen geringeren Ressourcenverbrauch, der Biokunststoff wird nicht aus Rohöl, sondern aus nachwachsenden Ressourcen hergestellt. Die Bäckereikette Happ beispielsweise stellt in den nächsten Wochen auf biologisch abbaubare Becher um, die in Deutschland produziert werden. Doch erfordern solche Becher immer noch den Einsatz gewisser Mengen neuwertigen Papiers und stoppen die bei der Papierherstellung entstehenden Emissionen und die massenhafte Becherproduktion insgesamt nicht.

Kommt die Steuer auf den Becher?

Die Becher, der Papp- wie der Plastikanteil, die aus neuwertigen wie auch die aus recyceltem Material hergestellten, landen meist im Restmüll. Oder, noch schlimmer, sie werden einfach in die Gegend geschmissen und tragen zur Verschmutzung der Straßen, Plätze und Landschaft bei. In verschiedenen Bundesländern, besonders schlimm ist die Situation in Berlin, wurde von verschiedenen Politikern immer wieder einmal gefordert, eine Becher-Steuer von 20 Cent einzuführen. Bundesweit wäre eine solche Steuer rechtlich nicht machbar, landesweit schon. Hierdurch soll der Kaffee aus Einwegbechern preislich unattraktiver gemacht werden. Doch löst eine solche Steuer das Problem? Was können Verbraucher*innen schon jetzt tun, wenn sie die Ressourcen schonen und die Umwelt entlasten wollen? Die naheliegendste Antwort ist, auf die Pappbecher zu verzichten und den Kaffee direkt beim Bäcker aus der Porzellantasse zu trinken. Beim Espresso machen dies bereits die meisten Kund*innen – man kann ihn schließlich schnell direkt im Laden trinken. Daher ist auch nur 0,4 Prozent des außer Haus konsumierten Kaffees Espresso. Doch einen Filterkaffee, Latte Macchiato oder Cappuccino möchten die wenigsten schnell herunterkippen. Und was ist die Alternative, wenn man den Kaffee unterwegs trinken möchte oder, wegen knapper Zeit, muss?

Mehrweg ist der Weg

Wer die Umweltbelastungen der Plastik- und Pappbecher vermeiden, aber dennoch seinen Kaffee unterwegs trinken möchte, sollte einen Mehrweg-Thermobecher benutzen. Deren Herstellung ist zwar aufwendiger als die der Pappbecher und sie verbrauchen bei der Reinigung Wasser und Spülmittel. Alles in allem ist ihre Ökobilanz durch die längere Lebensdauer jedoch erheblich besser als die der Einwegbecher. Ein Einwegbecher wird bei einmaligem Konsum, durchschnittlich nach 15 Minuten, weggeschmissen, ein Thermobecher kann bei guter Behandlung viele, viele Jahre lang halten. Möchte man sich einen Thermobecher zulegen, sollte man sich überlegen, wie man ihn nutzen will. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Größen, Formen und Materialien, ob aus Stahl, Plastik, Silikon oder Porzellan. Sie sind auch nicht teuer: Meist kosten sie zwischen 5 und 15 Euro.

Welcher Thermobecher passt zu mir?

Nutzer*innen, die ihren Kaffee oder Tee oft nicht gleich trinken, sondern ihn eine gewisse Zeit warmhalten wollen, greifen beispielsweise am besten zu einem doppelwandigen Edelstahlbecher. In der Anschaffung besonders preiswert sind solche aus Kunststoff, besonders Ressourcen schonen solche, die aus Silikon hergestellt werden. Probleme bereitet es, wenn die Absicht besteht, den vollen Becher in die Handtasche oder den Rucksack einzustecken. Dann muss er wirklich komplett dicht sein. Das ist allerdings oft nicht der Fall, zumal sich durch schwankende Temperaturen besonders dünnwandige Exemplare ausdehnen und verbiegen können. Es gilt daher beim Kauf auf eine gewisse Stärke und Stabilität zu achten. Ein großer Vorteil ist natürlich, wenn der Becher spülmaschinenfest ist. Auch bei Mehrwegbechern gilt: Wenn er zu heiß wird, ist er schwerer zu halten. Modelle mit zwei Wänden und mit Vakuum dazwischen oder einem abstehenden Haltegriff sind hierfür eine Lösung. Den passenden Becher zu finden, erfordert also erst mal ein bisschen Recherche, erspart aber unangenehme Erfahrungen.

Unbedingt Hygiene beachten

Das größte Problem in der Praxis ist die Hygiene und natürlich auch ein beliebtes Argument der Mehrweggegner. Die Lebensmittelhygieneverordnung verbietet die Befüllung mitgebrachter Mehrwegbecher nicht. In vielen Bäckereien sind die Mitarbei-ter*innen geschult, den Kaffee abzufüllen, ohne den Abfüllstutzen zu berühren. Jedoch gibt es in der Praxis des Öfteren auch Komplikationen, da die Verkäufer*innen gar nicht gewohnt sind, dass jemand einen Mehrwegbecher mitbringt. Problematisch ist, die mitgebrachten Becher könnten tatsächlich auch verschmutzt sein. In dieser Hinsicht wäre die vermutlich beste und im wahrsten Sinne des Wortes sauberste Lösung, ein Becher-Pfandsystem einzuführen. Bei diesen können Kund*innen ihre benutzten Becher abgeben und einen neuen, frisch gefüllten und sauberen Mehrwegbecher erhalten. Hygienisch am unbedenklichsten ist dies, wenn die Becher auch an einer eigenen Stelle für schmutziges Geschirr abgestellt und die neuen Becher an anderer Stelle herausgegeben werden. Es gibt schon Kaffeeketten, die eigene Mehrwegbecher verkaufen und ihr Heißgetränk darin abfüllen. Manche bieten sogar einen Rabatt an, wenn man den Becher mitbringt. Die Bäckerei Pappert wird voraussichtlich ab April 2016 eigene Thermobecher zum Verkauf anbieten und Kund*innen dann auch einen Preisvorteil auf den Kaffee geben, wenn die angebotenen Becher genutzt werden. Immer wieder ins Gespräch bringen Umwelt- und Verbraucherschützer auch die Idee eines einheitliches Becherpfandsystems. Jedoch ist auch jetzt schon an vielen Orten der eigene Mehrwegbecher nutzbar. Es ist aber unbedingt darauf zu achten, dass dieser sauber ist. Eine Lösung, falls es Probleme mit den Verkäufer*innen beim Abfüllen geben sollte, könnte sein: Man lässt sich das Getränk in einer Tasse geben und füllt den Inhalt dann in den mitgebrachten Thermobecher um. So oder so sollte aber klar sein: Einwegbecher für Kaffee gehören nicht nur in den Abfallbehälter - sie gehören auf die umweltpolitische Müllkippe!  

© Markus Weber


Erschienen in der März-Ausgabe des Monatsmagazin printzip. Als pdf lesen (Seite 29-30)

 

 

 

 

02/18/16

Postelein

Postelein ist ziemlich in Vergessenheit geraten. Dies wie auch die Bezeichnung "Gewöhnliches Tellerkraut" jedoch zu Unrecht. Auch der Name Winterportulak führt in die Irre: Portulak ist eine andere Pflanze,

Postelein erinnert roh an Feldsalat und Kresse

06/01/15

Stinkekäse

Maroilles

Maroilles, bekannt aus dem Film Willkommen bei den Schtis (unbedingt sehenswert!)

Wir hatten uns in einem der  Hipster-Käse-Läden in Prenzlberg ein Stück Maroilles geholt, eingewickelt in Käsepapier, das in einer Plastiktüte, die in einer Stofftasche, diese im Kofferaum für etwa 2 Stunden (abends). Danach stank es im ganzen Auto gotterbärmlich.

Allerdings hat der Film Unrecht: der Käse schmeckt deutlich besser, als er riecht. (Aber in den Kaffee tunken möchte man ihn wirklich nicht.) In Paris hatte ich mal eine Maroilles-Tarte gegessen - die war richtig lecker.

 

 

 

 

 

 

09/28/13

Katzenkotkaffee

Kopi Luwak

Kopi Luwak ist der teuerste Kaffee der Welt.

Er wird aus Kaffeebohnen gewonnen, die von einer seltenen Schleichkatzenart auf Indonesien gegessen und ausgeschieden werden. Die Verdauungsenzyme entziehen ihm Bitterstoffe.

In der Speicherstatt Kaffeerösterei in Hamburg gibt es ein Kännchen von etwa 0,2 Liter für 10 Euro. Wenn man ihn trinkt, denkt man: Ja, ein ganz guter Kaffee. Aber 10 Euro?

Aber einmal im Leben sollte man auch Katzenkotkaffee getrunken haben.

“Frühstück, zweites Frühstück, 11-Uhr-Imbiss, Mittagessen, Tee-Zeit, Abendessen und Nachtmahl”